Rechtssystemtreue Übersetzungen entstehen nicht durch sprachliche Präzision allein.
Entscheidend ist, dass die englische Fassung dieselbe rechtliche Wirkung entfaltet wie der deutschsprachige Ausgangstext – auf Grundlage des deutschen Zivilrechts.
Genau hier setzt unsere Methodik an.
Juristische Übersetzung bedeutet für uns nicht, deutsche Vertragsregelungen sprachlich ins Englische zu übertragen oder sie an Common-Law-Konventionen anzunähern.
Zivilrechtlich geprägte Regelungen folgen einer anderen dogmatischen Logik als common-law-basierte Vertragskonstruktionen.
Wird diese Logik nicht erkannt, entstehen englische Fassungen, die formal korrekt erscheinen, rechtlich jedoch eine andere Funktion entfalten.
Unsere Methodik zielt daher nicht auf Wortlauttreue, sondern auf Rechtswirkungsidentität.
Unsere Methodik folgt keinem starren Übersetzungsschema.
Sie beginnt mit der Analyse der zivilrechtlichen Funktion einer Regelung im Ausgangstext.
Zivilrechtliche Vertragsbestimmungen sind nicht primär sprachlich, sondern dogmatisch geprägt. Ihre rechtliche Bedeutung ergibt sich aus ihrer Funktion im System des deutschen Zivilrechts – nicht aus ihrer terminologischen Oberfläche.
Erst wenn diese Funktion präzise bestimmt ist, kann sie im Englischen systemgerecht nachgebildet werden.
Dabei wird nicht der Wortlaut übertragen, sondern die rechtliche Funktion – ohne Import fremder Dogmatik.
Die Auswahl der englischen Terminologie richtet sich daher nicht nach Common-Law-Konventionen, sondern nach der zivilrechtlichen Logik des Ausgangsvertrags.
Der erforderliche fachliche Tiefgang ist bei uns keine fixe Größe.
Er wird anwendungsbezogen definiert und ist Teil der Übersetzungsstrategie.
Nicht jede Vertragsregelung verlangt dieselbe dogmatische Ausleuchtung. Maßgeblich sind unter anderem der Verwendungszweck der englischen Fassung, der haftungsrechtliche Kontext sowie die Rolle, die der Übersetzung im weiteren Transaktions- oder Vertragsumfeld zukommt.
Der Tiefgang unserer Übersetzungen wird daher projektspezifisch festgelegt – gesteuert durch die Anforderungen der anwaltlichen Praxis, nicht durch schematische Leistungsstufen.
So bleibt die Übersetzung fachlich präzise, ohne unnötig zu überfrachten.
Unsere Arbeit basiert nicht auf punktuellen Einzelentscheidungen, sondern auf vorbereiteten fachlichen Grundlagen.
Für zentrale Rechtsgebiete – darunter Allgemeine Geschäftsbedingungen, Arbeitsrecht, zivil- und handelsrechtliche Kernmaterien sowie gesellschafts- und transaktionsrechtliche Kontexte – arbeiten wir mit vorstrukturierten terminologischen und dogmatischen Referenzrahmen.
Diese Vorarbeit schafft Konsistenz, reduziert Übersetzungsrisiken und ermöglicht es, auch komplexe Regelungszusammenhänge zügig und systemtreu zu erfassen.
Entscheidend ist dabei nicht die bloße Terminologie, sondern das Verständnis der zugrunde liegenden rechtlichen Konzepte und ihrer Funktion im deutschen Rechtssystem.
Primäres Ergebnis unserer Arbeit ist eine englische Vertragsfassung, die die rechtliche Wirkung des deutschen Ausgangstextes wahrt.
Je nach Projektkontext kann darüber hinaus Transparenz geschaffen werden – etwa durch die Dokumentation zentraler Terminologieentscheidungen, begrifflicher Abgrenzungen oder dogmatischer Hintergründe.
Der Einsatz technischer Hilfsmittel, einschließlich KI-gestützter Analysewerkzeuge, ist integraler Bestandteil unseres Arbeitsprozesses. Die juristische Bewertung und die letztendliche Übersetzungsentscheidung verbleiben jedoch stets bei uns.
So entsteht eine Übersetzung, die nicht nur sprachlich präzise, sondern auch rechtlich verlässlich ist.
Weiterführend:
Methodik für DE → EN
Methodik für EN → DE
Praxisbeispiele
Ausgangsbeispiel: „Any transfer of Shares in the Company by a Co-Investor is, except for the provisions of Clause x.x”,
KI-MT Übersetzung: „Jede Übertragung von Geschäftsanteilen an der Gesellschaft durch einen Co-Investor ist, abgesehen von den Bestimmungen der Klausel x.x“,
Fehlinterpretation von „except for“: Die Wendung „except for“ drückt eine Ausnahme zu einer allgemeinen Regel aus. Die Übersetzung „abgesehen von“ kann zwar in bestimmten Kontexten eine ähnliche Bedeutung haben, jedoch fehlt es hier an der Präzision, die für Vertragsdokumente erforderlich ist. Die Formulierung „ausgenommen wie in Klausel x.x“ wäre direkter und klarer, da sie unmissverständlich auf die Ausnahmebedingungen verweist.
Potenzielle rechtliche Auswirkungen: Eine ungenaue Übersetzung von Ausnahmeklauseln kann zu Missverständnissen bezüglich der Vertragsbedingungen führen. Im Rechtskontext ist es von höchster Wichtigkeit, die exakten Bedingungen und Ausnahmen klar und unmissverständlich zu formulieren, um Interpretationsspielräume und mögliche Rechtsstreitigkeiten zu minimieren.
Notwendigkeit der klaren Ausdrucksweise in Vertragsdokumenten: Vertragsdokumente erfordern eine präzise Sprache, um die Rechte und Pflichten der Parteien eindeutig festzulegen. Jede Abweichung von der üblichen Formulierung könnte die Auslegung des Vertragsinhalts beeinflussen und sollte daher vermieden werden.
Die präzise und korrekte Übersetzung von vertraglichen Formulierungen, insbesondere von Ausnahmeklauseln, ist entscheidend, um die beabsichtigte rechtliche Wirkung zu erzielen und mögliche Missverständnisse oder Rechtsunsicherheiten zu vermeiden. Die Wahl der richtigen Präpositionen und Konjunktionen spielt eine entscheidende Rolle bei der Festlegung der Vertragsbedingungen. Übersetzer müssen besondere Sorgfalt walten lassen, um sicherzustellen, dass die Übersetzung den Nuancen und der Präzision des Originaltextes gerecht wird und rechtliche Klarheit gewährleistet.